Zum Inhalt springen

Aufgewärmtes

02.02.2021

Es gibt Dinge, die schmecken aufgewärmt deutlich besser, als frisch gekocht. Lasagne zum Beispiel.
Aber es gibt ebenso Dinge, bei denen es schwierig ist, sie wieder aufzuwärmen, vor allem solche, die noch gar nicht richtig abgekühlt sind.

Ich will mich nicht im Kreis drehen, nicht mehr. Möchte geradeaus und nicht mehr rückwärts laufen. Mir ist schwindlig von dieser Zeit, alles dreht sich noch – als säße ich auf einem Karussell, das du immer wieder anstößt, dem du immer wieder Schwung gibst, es nicht einfach auslaufen, zur Ruhe kommen lässt. Und wieder eine Nachricht, wieder meine ehrlichen Gedanken, Gefühle schwarz auf weiß und wieder: keine Reaktion, nur Stille und Nichts. Wieder keine Antwort, wieder und wieder und wieder.
Konflikte sind da, um ausgetragen zu werden, Konflikte sind da, um Kompromisse hervorzubringen, Konflikte sind da, um sich die Grenzen und Bedürfnisse des anderen vor Augen zu führen.
Stattdessen weichst du aus, nimmst es hin, resignierst.
Stattdessen ziehst du zurück, was du doch wieder aufgewärmt hast!
Sagst ein zwei Worte, die wie Messer in mein Herz schneiden, die mich wieder treffen, so als wäre die Mauer noch nicht hoch genug, die ich darum erbaut habe.
Zu viel Druck – zu viel, zu viel, zu viel – zu nah.
Und ich ziehe diese Grenze, ziehe sie mit schwarzem dicken Edding, ich baue diese Mauer höher und höher, bis mich deine Worte nicht mehr treffen, deine Taten an mir abprallen.
Ich bin nicht zu viel, ich möchte nicht zu viel, ich bin nicht zu nah.
Du bist es, der Angst hat, du bist es, der etwas aufwärmt, ohne sich klar zu sein warum, du bist es, der handelt, ohne zu denken, der leichtfertig alte Wunden aufreißt, die immer noch tief sitzen, immer noch bluten. Du bist es, der Unsicherheit auslöst, der Nähe sucht, um sie dann wieder von sich zu stoßen, als wäre das ein Spiel, über das nur du die Macht besitzt.
Doch so ist es nicht. So sollte es nicht sein.
Deshalb ziehe ich diese Grenze, ziehe sie mit schwarzem dicken Edding, baue diese Mauer höher und höher, bis mich deine Worte nicht mehr treffen, deine Taten an mir abprallen.
Du wärmst etwas auf, nur um es dann unangetastet in der Küche stehen zu lassen.
Aber es geht nicht immer nur nach deinen Spielregeln, ich spiele nicht mehr mit, ich streike, ich schlage auf das Spielfeld, wische die Figuren runter, schmeiße alles um mich, weil ich nicht mehr will, nicht mehr kann, nicht mehr die bin, die verzeiht, nicht mehr die bin, die nachgibt.
Ich ziehe diese Grenze, ziehe sie mit schwarzem Edding, baue diese Mauer höher und höher, bis mich deine Worte nicht mehr treffen, deine Taten an mir abprallen.

In meinem Kopf sind noch diese Bilder, diese Bilder von früher.
Ich habe einen Ort mit dir geteilt, habe alles mit dir geteilt, habe die Bedeutung dessen mit dir geteilt, erinnere mich an diesen Baum, an seine junge Rinde, an unser Grinsen.
Ich sehe dich, sehe dich mit all dem, was du bist und sehe doch immer und immer wieder zwei verschiedene Versionen von dir.
Widersprüche.
Der, der mich will und der, der wegstößt, wegläuft, Angst hat.
Und ich liebe den einen, aber den anderen nicht.
Da ist zu viel kaputt, zu viel, das nicht ich, sondern nur du ändern kannst.
Da ist zu viel kaputt, zu viel, für das du die Verantwortung tragen musst, zu viel, das du nicht siehst, wenn du nicht endlich die Augen aufschlägst, nicht endlich genau hinsiehst.
Und ich ziehe diese Grenze, ziehe sie mit schwarzem dicken Edding, ich baue diese Mauer höher und höher, bis mich deine Worte nicht mehr treffen, deine Taten an mir abprallen.
Ich verstehe es nicht mehr.
Denke noch an dich, wenn der Donner den Himmel erschüttert, wenn das dumpfe Grollen in der Ferne schallt und plötzlich hereinbrechender Regen gegen die Scheiben peitscht.
Ich sehe dich dann vor mir, denke an Decken auf dem Boden vor der offenen Balkontür, an die rauschenden Baumkronen, den Geruch nach Regen in der Luft und dem leichten Windzug auf der Haut. Ich denke an dich, an deine kindliche Euphorie, wie du uns ein Deckenlager gebaut und mich zu dir gezogen hast. In deine Arme, zwischen deine Beine, vor deine Brust.
Lauschend, staunend, die Naturgewalt beobachtend.
Du in meinem Rücken und die Natur vor mir.
Blitze, die den Himmel in dunkle Flächen teilen.
Ich kenne zwei Versionen von dir.
Die eine, die ich liebe und die andere, die mich brach.
Ich vertraue dir nicht mehr.

Und auch wenn aufgewärmte Lasagne besser schmeckt als frisch gekochte, sollte man nicht alles wieder aufwärmen, was langsam abkühlt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.