Zum Inhalt springen

für all jene mit Herzschmerz

vor einem Jahr

Wer ist dieses Mädchen mit den Tränen auf den Wangen und diesem traurigen Blick, das mich da aus dem Spiegel anblickt? Wer ist dieses Mädchen, das abends allein und weinend in der Bahn sitzt, aus dem Fenster in die Dunkelheit starrt, die auch von ihr selbst Besitz ergriffen zu haben scheint? Wer ist dieses Mädchen, dem die ganze Zeit so kalt ist, innerlich und äußerlich? Das ständig zu frieren scheint und keinen Fuß in das stürmische Wetter setzen will, aber es drinnen nicht mehr aushält, weil es von einer inneren Unruhe gequält wird? Wer ist sie, die nicht stillsitzen, nicht rumliegen, sondern unterwegs sein möchte und sich trotzdem nach Ruhe und Ankommen sehnt? Wer ist dieses Mädchen, das nicht mehr das Gefühl hat, sie selbst zu sein? Nicht mehr stark zu sein? Wer ist sie, die am nächsten Morgen mit geröteten und geschwollenen Augen aufwacht von dem ganzen Weinen? Wer ist dieses Mädchen, das das Gefühl hat, keine Herausforderungen mehr allein meistern zu können, das sich so schnell überfordert und nicht belastbar fühlt? Das ein paar gute Tage hat, an denen sie sich wieder wie ihr altes Selbst fühlt, nur um dann im nächsten Moment wieder mit zugeschnürter Kehle in der Bahn zu sitzen, mit sich selbst ringend, mit den Tränen kämpfend, gegen sich selbst kämpfend. Kämpfend gegen diese Schwäche. Gegen dieses Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein. Nicht mehr die zu sein, die sie sein will, die sie schon mal war und die nun so weit weg erscheint. Wer ist dieses Mädchen, das sich so erbärmlich fühlt, weil sie so lange jemandem nachgelaufen und alles in sich geöffnet hat, immer und immer wieder, nur um wieder und wieder verletzt zu werden? Wer ist sie, die so durcheinander ist, so ohne Plan manchmal, so verpeilt, so gar nicht sie selbst? Wer ist dieses Mädchen, dessen eigener Ehrgeiz für die Dinge, die ihr wichtig sind, manchmal einfach zu fehlen scheint? Dieser Ehrgeiz, der sie immer ausgezeichnet hat. Wer ist dieses Mädchen, das mich da aus dem Spiegel anblickt mit den roten Augen und den Tränen auf den Wangen? Wer ist dieses Mädchen?
Ich kenne sie nicht.

jetzt –

Ich wollte dich.
Ich wollte dich mehr, als ich mich selbst wollte und das war das Problem. Du wolltest mich.
Du wolltest mich, aber nicht ganz. Nicht alles von mir. Nicht zu viel, nicht so viel, wie man teilt, wenn man liebt, nicht so viel wie ich gebraucht hätte.
Ich wollte dich, wollte dich mehr als mich selbst, konnte nicht mit, aber auch nicht ohne dich und das war das Problem.
Ich brauchte dich, brauchte dich zu sehr, während du mich nicht brauchen wolltest, während du lieber abgeblockt, geflüchtet bist, als zu kämpfen.
Ich will dich nicht mehr. Ich brauche dich nicht mehr. Ich kann das nicht mehr. Nicht so.
Und das ist kein Problem, denn jetzt will ich mich viel mehr als dich. Ich will die Version von mir, die ich ohne dich kennengelernt habe, die ich nach dem und mit dem Schmerz geworden bin.
Ich will mich. Ich will alles von mir, ich will mich ganz, nicht nur halb.
Du wolltest mich und das glaube ich dir, aber nie ganz, nie alles von mir, nie so viel wie ich gebraucht hätte, wie ich gewollt hatte.
Es war nie gleich zwischen uns, auch wenn du dachtest, das wär´s.
Es war nie gleich, nie linear, immer schwankend, ein Hoch und Tief, ein Auf und Ab, nie Sicherheit, nie das Gefühl du bleibst, selbst, wenn ich mal geh. Denn du wolltest mich, aber nie ganz, konntest nicht mit, aber auch nicht ohne mich und das – genau das war das Problem.
Wir haben geredet, aber immer aneinander vorbei, immer so, als würden wir andere Sprachen sprechen. Wir dachten so oft, es wär richtig, obwohl es falsch war und trotzdem weiß ich jetzt, wenn all das nicht gewesen wär, dann wär ich jetzt nicht hier, wo ich jetzt bin, wo ich mich richtig fühl.
Ich bin jetzt ich und du bist du und mehr gibt’s da gerade nicht.
Nur ich und du und nichts dazwischen.
Ich bin jetzt wieder ich.

für all jene mit Herzschmerz: es gibt ein Danach.

Liebe kann sich anfühlen wie sterben, innerlich. Die größte Schönheit findet sich im größten Schmerz. Und trotzdem wird man nicht sterben, man wird leben. Und im besten Fall:
Besser als zuvor. Weiser als zuvor. Stärker als zuvor. Mehr man selbst als zuvor. Ich bereue nichts, ich würde nichts anders machen, denn ich weiß nun, dass ich mich wiederfinden kann, auch wenn ich glaube, mich verloren zu haben.

2 Kommentare

  1. Nadja Nadja

    Wow. Wie schaffst du es nur immer wieder, Gefühle und Gedanken so gut auf den Punkt zu bringen. Du hast Recht. Wir finden immer wieder zu uns und das sollte uns allen Mut machen. Macnchmal muss man Personen verlieren, damit man sich selbst wieder liebt. Und das ist mit Abstand die schönste und wichtigste Liebe im Leben.

    • Charly Charly

      Danke für deinen Kommentar, Nadja! Freu mich immer wieder, dass du meine Texte so gerne liest 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.