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gemeinsam allein sein

Alleinsein.
Ich hatte ein bisschen vergessen, wie sich das anfühlt. Wenn man alles im Griff hat oder es zumindest versucht und die meiste Zeit mit seinen Gedanken für sich ist. Wenn man Ruhe spürt. Wenn es okay ist.
Wenn man Dinge nicht mehr tut, um Zeit zu überbrücken oder, um nicht mehr seiner eigenen Stimme im Kopf ausgesetzt zu sein, sondern, weil man selbst diese Dinge in diesem Moment machen will. Weil sie einen glücklich machen.
Alleinsein. Irgendwie ein schönes Gefühl, wenn man weiß, dass es ausreicht. Weil man immer nur sich selbst haben wird. Nur man selbst ist für sein Glück, seine Handlungen und Entscheidungen, für sein Leben verantwortlich. Man ist allein. Und daran ist nichts traurig oder bedauernswert, es ist ein Fakt. Wir kommen allein auf die Welt und wir verlassen sie genauso. Vielleicht sind wir nicht einsam, weil wir lieben und geliebt werden, aber letztendlich steht jeder für sich allein da.
Und es ist schön allein zu sein, Gedanken zu ordnen, sich Ziele zu setzen, um seine Träume zu erfüllen, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Dinge zu tun, die einen glücklich machen, mit Menschen, die einen glücklich machen. Jeder lebt sein eigenes einzigartiges Leben. Trägt die Verantwortung, sich selbst glücklich zu machen.
Egal wie, wodurch oder mit wem. Glücklichsein bedeutet für jeden etwas anderes und das ist so schön. Das ist gut so.

Alleinsein. Ich hatte wirklich ein bisschen vergessen, wie sich das anfühlt. Nicht, weil ich dauerhaft von Menschen umgeben war oder keine Zeit für mich selbst hatte. Ich hatte wirklich viel, wirklich ausreichend Zeit für mich. So viel, dass ich fast verrückt geworden bin. (Achtung: Jammern auf hohem Niveau!) Ich war allein. Aber nicht mit mir selbst. Nicht für mich selbst. Ich habe oft nicht im Moment gelebt, nicht im Jetzt, sondern im Später. Es war ein Abwarten, ein Ausharren, ein Dinge-tun-um-Zeit-zu-überbrücken, bis es soweit ist. Bis ich loslegen kann, bis ich mich treffe, bis jemand schreibt. Bis etwas passiert. Etwas, das durch andere Menschen abhängig war. Ich habe viel allein gemacht, Sachen nur für mich unternommen, aber es war für mich nie das Nonplusultra, weil ich mir jemanden an meiner Seite gewünscht habe. Schwierig, wenn alle keine Zeit, einen gefüllten Alltag haben.
Dieses Abwarten, es war nicht gut. Nicht für meine Seele. Und ich war irgendwie glücklich, ja, aber eben nicht so richtig. Nicht wahrhaftig.
Und jetzt bin ich wieder allein, für mich selbst. Für den Augenblick. In diesem Augenblick. Und es ist schön. Es reicht aus. Ich reiche mir aus.
Weil ich letztendlich das Einzige bin, was ich in meinem Leben brauche. Wenn es meine eigenen Träume, meine eigenen Entscheidungen, meine eigenen Handlungen nicht gibt, sondern nur die von anderen, dann gibt es auch mein Leben nicht. Dann gibt es mich nicht.

Ich fühle mich nicht einsam. Die meiste Zeit bin ich okay.
Ich darf nicht nachdenken, nicht zu viel. Schwierig bei jemandem wie mich. Ein chronischer Zu-viel-Nachdenker. Darf nicht zurückdenken, mich nicht erinnern, nur nach vorne denken. Nur im Jetzt denken. Was sich in diesem Moment richtig anfühlt, was mir mein Bauchgefühl sagt.

Und mit jedem Tag, jedem Augenblick, der sich so anfühlt, wird mir klarer, dass ich das nie wieder vergessen werde. Nicht vergessen werde, wie sich richtiges Alleinsein anfühlt und dass es wichtig ist. Mit sich selbst und für sich selbst zu sein. Weil es ein Learning war, eine Lebenserfahrung wie meine Eltern sagen würden.
Denn der Fokus in unserem Leben sollte auf uns selbst liegen. Auf unser Glücklichsein ausgerichtet sein. Und jeder ist es sich selbst schuldig die Verantwortung für sein eigenes Glück, seine eigenen Träume zu übernehmen. Denn es macht niemand für uns, niemand für dich.
Wir brauchen dafür niemanden, auch wenn wir das oft glauben, wir können es selbst tun, selbst Ziele erreichen und unsere Träume leben.

Jeder von uns lebt für sich allein. Trifft Entscheidungen für sich allein. Verwirklicht Träume für sich allein.
Und trotzdem gibt es nichts Schöneres als unser Alleinsein zusammen zu verbringen. Alles zu teilen. Den anderen auf seinem eigenen Weg zu begleiten, während man selbst auf seinem unterwegs ist.
Manchmal hilft Alleinsein, um zu sich selbst zurückzufinden, weil da weniger Ablenkung ist, weniger Einfluss. Es hilft zu spüren, was einem fehlt, was man braucht, um wirklich glücklich zu sein.
Und manchmal wird einem erst dann so richtig klar, wie wichtig die Menschen sind, die einem auf dem eigenen Weg begleiten. Wie sehr man sie schätzen und wie dankbar man für ihre Liebe sein sollte.

Deswegen frage ich alle Menschen, die ich liebe und die jeder auf ihrem persönlichen Weg, ganz für sich allein, unterwegs sind:
Wollen wir gemeinsam allein sein?

8 Kommentare

  1. Ute Ute

    JA!!! Ich möchte seh gern mit dir gemeinsam allein sein.
    Deine Zeilen hinterlassen bei mir ein wahnsinnig glückliches Gefühl…und du kannst dir bestimmt denken warum. Deine M.

  2. Laura Laura

    Einladung angenommen zum Gemeinsam allein sein!

  3. Mile Mile

    Ich bin auch dabei! Wir sind immer alleine – gemeinsam.

  4. Paps Paps

    Liebe Charly, ich bin schon so lange dein Wegbegleiter und freue mich sehr auch weiterhin einer deiner Begleiter sein zu dürfen. Ich bin deiner Meinung, allein zu sein kann helfen sich neu zu fokussieren und auszurichten, denn dann geht das Leben schon in großen Schritten weiter. Dein weiteres Leben wird noch so viele schöne und großartige Momente bereithalten und Du bist nie wirklich ganz Allein. Ich werde immer für Dich da sein. 🙂
    Ich bin dabei Gemeinsam allein zu sein! Du bist Großartig

    • Charly Charly

      Danke Papa! 😀

  5. Bennet Bennet

    Ein sehr schöner Text. Alleinsein ist etwas, dass für mich zum Leben dazugehören sollte, denn nur wenn du allein bist, kannst du komplett unverstellt sein. Aber warum darfst du dich nicht erinnern? Warum nur nach vorne denken? Kann man nicht aus Erinnerungen lernen und zugleich die Zukunft nicht außen vor lassen? Genauso frage ich mich, ob man wirklich für sein Glück verantwortlich ist? Ich kann doch gar nicht anders, als nach Glück zu streben, denn ich kann ja nur so handeln, wie ich will. Deswegen war für mich auch schon immer die Redewendung „Jeder ist seines Glückes Schmied“ befremdlich. Es sollte eher heißen:“Jeder ist sein Glück“ ohne dabei zu verhehlen, dass es genauso heißen muss:“Jeder ist sein Unglück“.

    • Charly Charly

      Danke Bennet für deinen sehr interessanten Kommentar! 🙂
      Ich finde, du hast Recht. Alleinsein gehört definitiv zum Leben dazu, aber ich bin der Meinung, dass man nicht nur wenn man alleine ist, komplett unverstellt und man selbst sein kann. Sobald man die richtigen Menschen findet oder zu einem Menschen diese Verbindung spürt, bei der man sich in der Nähe desjenigen einfach wohl fühlt, einfach man selbst, kann man zu 100 % unverstellt sein. Das heißt Seelenverwandtschaft für mich. Wenn sich jemand einfach richtig anfühlt, wenn alles mit demjenigen so leicht erscheint, sich gut anfühlt, selbst die Momente, in denen man eigentlich verzweifelt oder traurig ist. Wo es einfach klick macht und so als würde man sich schon ewig kennen.

      Ich denke schon, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist, weil wir von so vielen externen Faktoren in unseren Entscheidungen beeinflusst werden. Seien es die Meinungen der Familie, Erwartungshaltungen, gesellschaftlicher Druck oder auch einfach Dinge wie finanzielle Einschränkungen oder Verpflichtungen. Wir selbst entscheiden uns dazu, glücklich oder unglücklich zu sein. Manchmal wissen wir nicht, was uns genau glücklich macht in dem Moment, aber ich glaube es braucht einfach Zeit und dann findet man heraus, was man wirklich will. Und jeder kann eben selbst entscheiden, ob er die Dinge tut, die er wirklich will und braucht, um selbst glücklich zu sein oder ob er sich diesen äußeren Faktoren beugt, sich vlt zu verpflichtet gegenüber jemand anderem fühlt, um einfach das zu machen, was er eigentlich will. Nur wir selbst können etwas verändern, das nimmt uns niemand ab. Deswegen passt für mich die Redewendung „Jeder ist seines Glückes Schmied“ sehr gut, weil das Glück uns ja nicht einfach so in den Schoß fällt. Oft müssen wir uns aktiv dazu entscheiden, für unser eigenes Glück. Aktiv etwas verändern. Und dem einen fällt es leichter, dem anderen schwerer, auch je nachdem, was für ein Leben du führst oder in was du hineingeboren wurdest.

      Ich hoffe, ich höre noch mehr von dir auf meinem Blog! Freue mich über jeden Kommentar 🙂
      Schönes Wochenende dir

      • Bennet Bennet

        Ich weiß nicht… für mich ist das ein Idealbild, was nicht erreicht werden kann. Ich rede doch mit jeder Person leicht anders, weil ich eine andere Person vor mir habe. Und deswegen rede ich auch im Inneren Dialog, wo ich gleichzeitig Du und Ich übernehme, anders, als wenn ich mit einer anderen Person rede. Es gibt Menschen, bei denen man sich komplett verstanden fühlt, wo man fast „Sein kann“ (so habe ich das immer bezeichnest und ich glaube, dass ich damit das gleiche meine, wie du mit deiner shönen Formulierung „gemeinsam allein sein“), aber irgendwie bleibt ein kleiner Unterschied immer, weil man nicht komplett gleich ist. Das muss aber keinen Abbruch tun, weil ich fest davon überzeugt bin, dass diese Unterschiede einen bereichern.

        Du sprichst meinen Punkt genau an. Du sagst, dass jeder entscheiden muss, ob er das tut, was er wirklich will oder ob er sich äußeren Faktoren beugt… Ich glaube, dass es diese Entscheidung gar nicht gibt. Der Satz „Jeder kann tun, was er will“ kann genauso gut heißen „Jeder kann nur tun, was er will“. Jede Entscheidung die du triffst, triffst du aus dir heraus. Sobald du mit der Welt draußen interagierst, stehst du immer äußeren Faktoren gegenüber und diese Treffen auf deinen Willen, der eine Zusammensetzung aus angeborenem Charakter und gemachten Erfahrungen ist und Dieser, dein eigener Wille, trifft am Ende eine Entscheidung und deswegen kannst du gar nicht anders, als das tun, was du willst. Schopenhauer hat das sehr gut zusammengefasst mit dem Spruch: „Der Mensch kann tun, was er will, aber kann nicht wollen, was er will.“

        Deswegen kann man nur durch Erfahrungen herausfinden, wie du deine Proritäten setzen muss, um Glücklich zu werden. Durch ständige Reflektion und gemachten Erfahrungen lernst du dich und damit auch deinen Willen, immer mehr kennen. Und deswegen sind wir eigentlich auch gar nicht wirklich auseinander in den Meinungen. Jeder muss sich fragen, wenn er unglücklich ist, was er ändern muss, um glücklich zu sein und diese Veränderung ist keine Garantie, aber es ist eine Erfahrung, die gemacht wird.

        Ich hoffe, du fühlst dich von solchen Kommentaren nicht erschlagen, denn ich lese gerne deine Texte und es macht mir jetzt schon Spaß, gemeinsam mit dir zu reflektieren. 🙂

        Ebenfalls ein ein schönes Wochenende dir und schon mal einen guten Rutsch

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