Zum Inhalt springen

Notizbuchfetzen

Diese Texte sind schon etwas älter, aber ich finde sie vom Stil sehr schön und anders als andere Texte von mir, deswegen wollte ich sie einfach teilen. Ich hoffe, ihr fühlt sie.

Dienstag, 05.05.2020

Ich verlier mich
verlier mich in deinen Augen,
so wach und warm und lächelnd
so klar und tief und traurig.
Ich verlier mich
verlier mich in deiner Stimme,
in ihren Akzenten, in den Höhen und Tiefen,
in deinen Worten und Sätzen,
in dem Dunklen und Rauen
und Leichtem und Wankendem.
Ich verlier mich
in deinen Armen
in Stärke und Schwäche,
in dem Geräusch deines Herzens
und dem Gefühl deiner Haut unter meinen Fingern.
Ich verlier mich
in unserm Lachen, in dem Necken und Albern,
in der Enge in meiner Brust und dem Kribbeln in meinem Bauch.
Ich verlier mich
in das Gefühl, das du mir gibst,
in die Energie und Stärke,
in das Unbesiegbare und Motivierte, das mich packt.
Ich verlier mich
in unsern Gesprächen,
in dieser Vertrautheit, dieser Verbindung, die ich nur
hier,
nur hier bei dir spüre.
Ich verlier mich.
Verlier mich darin so zu sein wie ich bin und noch so viel mehr,
Verlier mich
in den Emotionen, die mich durchströmen,
in dem Schatten und dem Licht, das du doch bist
und das mich anzieht wie die Motte von dem Licht,
denn das bin auch ich.
Schatten und Licht.
Ich verlier mich in dir.
Jedes Mal
und jedes Mal tiefer,
verlier mich in dir ohne mich selbst zu verlieren,
weil ich mich immer wieder finde.
Verlier mich in dir und fühl mich kein Stück verloren.
Jedes Mal und jedes Mal tiefer.
Verlier mich in dir und fühl mich frei und angekommen,
jedes Mal ein bisschen mehr.

Dienstag, 28.07.2020

Und immer wieder stelle ich fest, dass es sich lohnt rauszugehen.
Dinge sehen, Menschen treffen, Sonnenuntergänge aufschnappen, den Alltag zu dem zu machen, das er ist.
Leben.

Mittwoch, 29.07.2020

Ich spüre Sommer. Sonne. Endlich.
Da ist noch Schmerz in mir. Bedauern. Traurigkeit. Enttäuschung.
So unendlich viel Enttäuschung.
Wut, mindestens eine Prise.
Sorgen, Gedanken, die sich drehen und drehen und sowas wie Hilflosigkeit.
Was ist, wenn ich richtig liege?
Aber ich spüre Sommer. Sonne.
Ich spüre mich.
Ich verstehe dich nicht mehr.
Du dich auch nicht.
Aber ich mich, meistens.
Da ist noch Schmerz in mir. Immernoch.
Bedauern, Traurigkeit und so viel Enttäuschung.
Sorgen, Gedanken, die sich drehen und drehen und sowas wie Hilflosigkeit.
Aber ich spüre Sommer. Und Sonne.
Und mich.
Meistens.

Freitag, 14.08.2020

Alle Menschen sind im Innern doch irgendwie kaputt. Jeder trägt sein Päckchen. Sie zeigen´s nur nicht.
Und manchmal glaube ich, dass dieses Verstecken des kaputten Teils mehr Kraft kostet, als die Heilung an sich.
Aber wer sagt dir wie? Woher weißt du, was das heißt?
Leben bedeutet Wachstum und ich entscheide, wie groß ich werden will.

Dienstag, 18.08.2020

Und vielleicht ist dieses Ende ein Anfang für etwas Neues, für etwas Anderes. Vielleicht steckt in diesem Ende Kraft für Veränderung und für mein eigenes Wachstum.
Und wenn dieses Ende der Anfang von etwas Neuem ist, dann scheint es doch gar kein Ende zu geben, richtig? Dann kennzeichnet es doch nur den Übergang von etwas Altes in etwas Neues, richtig? Dann ist das Ende vielleicht doch gar kein Ende.
Vielleicht ist es nur der Abschluss mit etwas Vergangenem, das Akzeptieren der Gegenwart und das Ausrichten auf die tausend Möglichkeiten der Zukunft.

Dienstag, 28.07.2020

Geruch nach Farbe liegt in der Luft. Rein und weiß und leicht chemisch. Es riecht neu, unbefleckt, nach Veränderung. Es riecht nach Neuanfang. Irgendwie. Ich sehe nach oben, betrachte die jetzt strahlend weiße Decke und die grünen Blätter vor dem Fenster. Stuck zieht sich an den Seiten und um den Elektroanschluss in der Mitte entlang, an dem jetzt noch eine nackte Glühbirne baumelt. Der Stuck besteht aus kleinen Bäumen und Schnörkeln, deren Konturen kaum noch erkennbar sind, weil so oft drübergestrichen wurde.
Diese Wohnung ist jetzt zuhause. Wird es immer mehr. Stück für Stück.
Ich spüre ihr Potential, es vibriert in den Wänden, auch unter den ganzen Fehlern, den Nachlässigkeiten und Mängeln. Es riecht nach Neuanfang, wenn ich die Tür öffne und die Dielen betrete, nach Veränderung. Und ich spüre es auch in mir. Ich spüre, dass ich das brauche. Das hier. Die Arbeit, dieses Meditative beim Streichen oder Lackieren, beim Planen und Selbstmachen, beim Stolz sein auf das, was die eigenen Hände geschaffen haben. Ich brauche das, auch trotz der Frustation, wenn der Stuck beim Streichen abblättert, den orange und gelb überlackierten Flurdielen, den kaputten Rohren im Bad, den vielen Löchern im Türlack, den Dellen im Boden und den immer mal wieder neu auftretenden Problemen, die wieder Geld und Zeit kosten. Trotz der ganzen „Mängel“ und der ganzen Arbeit, die diese Wohnung irgendwie einzigartig machen, fühlt sie sich richtig an.
Nach zuhause eben.

2 Kommentare

  1. Arian Arian

    Ich habe hier ehrlicherweise schon eine Weile nicht mehr gelesen und ich freue mich sehr, dass ich es grad einmal wieder getan habe. Ich bin ein bisschen müde, deswegen weiß ich nicht genau, ob ich alles zu 100% verstanden habe, aber das möchte ich vielleicht auch grad nicht, weil es auch sehr schön ist, nur zu lesen und das zu fühlen. Ich mag die Art, wie Du Deine Gedanken und Emotionen aufschreibst. Ich würde lügen, würde ich sagen, dass ich alles genau so sehe und empfinde, aber Emotionen zu verallgemeinern und zu verwahrheiten wäre ja auch irgendwie Quatsch. Ich mag Deine Sicht auf die Dinge und dass Du auch als ein Grübelmensch am Ende auf so viel Positives und so viele Zunkunftsmöglichkeiten kommst und trotzdem Schmerz und Kaputtheit irgendwie elementar bleiben. Glücklich sein ist nicht so einfach, Leben ist nicht so einfach, gerade in dem idealisierten Anspruch, den wir oft daran haben. Aber du schreibst über viele schöne Dinge, die einem*einer dabei helfen können. Danke 🙂

    • Charly Charly

      Hey Arian,
      Danke für deinen Kommentar! Es freut mich wirklich mega, dass dir der Beitrag gefällt und dass du dich freust ihn gelesen zu haben 😀
      Es ist immer das größte Lob, wenn man merkt oder hört, dass ein anderer den Text beim Lesen gefühlt und die Emotionen gespürt hat, aus denen er entstanden ist. Genau das ist es, was mir echt viel zurückgibt.
      Du hast recht, dass man Gefühle nicht verallgemeinern kann, weil jeder ja anders empfindet und durch seine subjektive Sicht und eigenen Erfahrungen ja auch Dinge ganz anders wahrnimmt.
      Das Wort „Grübelmensch“ find ich übrings richtig gut haha 😀 passt auf mich würde ich sagen. Und ja, glücklich sein ist manchmal nicht so einfach, und Schmerz gehört natürlich zum Leben dazu, sonst würde man all das Lebenswerte ja wahrscheinlich auch gar nicht als dieses wahrnehmen. Es gibt eben immer zwei Seiten der Medaille. Für mich steckt in diesem Schmerz und in dieser Kaputtheit aber auch eine Chance zur Weiterentwicklung und auch um Nähe zu anderen aufzubauen, weil gerade das Teilen von Gefühlen oder Situationen, die man in ähnlicher Weise erlebt und gefühlt hat, Menschen einfach unfassbar verbinden und näher bringen können.
      Danke für deinen Kommentar, ich hoffe ich höre weiterhin von dir 😉

      Liebe Grüße
      Charly

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.