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„Walking on Sunshine“

Die Sonne ist zurückgekehrt. In mein Herz, in mich und an den Himmel. Pünktlich zum Frühlingsstart blinzelt sie mit unheimlicher Kraft hinter den Wolken hervor, zaubert mir den ersten Sonnenbrand auf die blasse Haut, den ich mir jede Saison einfange.
Immer dann, wenn das Thermometer auf bis zu 20 Grad klettert und ich die kühlen Grashalme unter meinen nackten Zehen spüren kann.
Immer dann, wenn meine nackten Beine durch den Garten tanzen und sich kleine Sommersprossen auf meiner Nase bilden.
Immer dann, wenn die Euphorie des Frühlings in mir erwacht, wenn es nach Sommer duftet, wenn man morgens noch in einen dicken Hoodie gekuschelt rausgeht und die frische Luft einsaugt, die erfüllt ist von neuer Lebenskraft.
Immer dann, wenn die Natur förmlich explodiert und überall grüne Tupfer zwischen den braunen toten Ästen auftauchen wie auf einem Gemälde, das nun endlich weitergemalt wird.
Immer dann, wenn mich morgens die Vögel vor meinem Fenster mit ihrem Zwitschern wecken und ich die Sonnenbrille wieder rauskrame.
Ich liebe es. Alles daran.
Ich liebe den Geruch der warmen aufgehitzten Haut, liebe es, wenn man nach Sonnencreme duftet und dass der Wind eine Gänsehaut auslöst, wenn man sich in den Schatten wagt.
Ich liebe es, keine Jacke anzuziehen, die nackten Arme beim Fahren auf dem Fahrrad auszubreiten und die Luft zu spüren. Liebe es, beim Autofahren die Fenster aufzumachen, all das Stickige im Innern herauszulassen und zu lauter Musik schief mitzusingen.
Ich liebe es, dass es abends viel länger und morgens viel früher hell ist und man deutlich motivierter in den Tag startet.
Ich liebe es, in kaltes Wasser zu springen, unterzutauchen, aufzutauchen, taube Beine zu haben und dann wieder ans Ufer zu flüchten und in ein Handtuch gehüllt in der Sonne zu stehen, in der Hoffnung wieder warm zu werden.
Ich liebe es, durch den Wald zu laufen, einfach laufen, weg von den Wegen, denn ich finde immer meine Eigenen und finde meist mehr, als ich erwartet habe. Ich suche nicht und finde trotzdem etwas und das ist schön. Letztes Mal waren es unzählige sich fortpflanzende Kröten, die zum See gehüpft sind, mehrere Spechte, deren Hämmern durch den ganzen Wald schallte und ein Reh, dass keine drei Meter hinter mir aus dem Gebüsch sprang und mit grazilen Hüpfern zwischen den hellgrünen und braunen Tupfern des Waldes verschwand. Ich liebe es, das alles mit meiner Kamera einzufangen, all die Details, all das Unwesentliche, das man so schnell übersieht, wenn man nicht genau hinsieht.
Ich liebe es, draußen Sport zu machen im letzten warmen Licht der untergehenden Sonne, baumelnd an einer Klimmzugstange oder keuchend auf dem Boden, solange bis draußen kein Licht und kein Fünkchen Energie mehr in mir ist.
Ich liebe es, mein Buch in der Sonne zu lesen, Gras unter meinen Zehen und Fingern zu spüren, sich so geerdet und nah an der Natur zu fühlen. Am liebsten würde ich in den Wald rennen und nie wieder rauskommen. Eins werden mit all dem. Ich liebe die Sonnenuntergänge im Sommer, deren bunte Wolken und den Himmel, der so hell und endlos erscheint. Und seit letztem Sommer liebe ich es, mit meinem Longboard rum zu cruisen, den Wind zu spüren, den Asphalt zu spüren, meinen Herzschlag zu spüren, sich unglaublich frei zu fühlen, fast so wie auf dem Meer, fast so, als würde man über den Asphalt fliegen, als würde man schweben, zumindest solange es nicht bergauf geht. Ich liebe es, einfach loszufahren, Wege und Orte zu erkunden, Menschen zu begegnen, die alle so viel wacher und offener und freundlicher wirken, jetzt, wo die Sonne wieder da ist.
Ich liebe es, nichts zu suchen, neugierig zu sein, neue Wege auszuprobieren oder von ihnen abzukommen und Spannendes zu finden oder auch mal nichts.

Die Sonne ist zurückgekehrt. In mein Herz, in mich, an den Himmel. Manchmal überkommt mich trotzdem Traurigkeit, Wehmut. Denn die Sonne ist zurückgekehrt und mit ihr die Erinnerungen an den letzten Frühling, an den letzten Sommer.
Der Geruch meiner warmen Haut, der Sonnencreme, der Wind in meinen Haaren, dieses eine Top, das Gefühl auf dem Longboard, die offenen Fenster beim Autofahren, dieses Gefühl draußen zu sein und niemals wieder in einen Raum zu wollen, dieser spezielle Geruch aus Kiefernnadeln, Sonne und warmem Sand, der mich unweigerlich jedes Mal an die Ostsee denken lässt, all das weckt alte Gefühle, die zeitweise noch so lebendig sind, so nah, so greifbar. Sie sind so dicht mit diesen Erinnerungen verwebt, mit den Gerüchen und Bildern in meinem Kopf, mit Liedern oder Geräuschen, dass manchmal komplett unerwartet eben diese Gefühle in mir ausgelöst werden. Begleitet von Wehmut und manchmal einem Lächeln oder einer Träne. Es sind so schöne Erinnerungen, meine, sie gehören ganz allein mir und werden auch immer da sein, ich möchte sie nicht missen, nicht vergessen und trotzdem machen sie mich manchmal traurig, denn letztes Jahr zu dieser Zeit war alles anders und irgendwie auch nicht.
Ich war anders und meine Situation war anders, das Drumherum war anders und trotzdem liebe ich die zurückgekehrte Sonne, trotz der traurigen wehmütigen Momente, die mir immer wieder vor Augen führen, was sich in einem Jahr alles geändert, alles getan hat. In mir. Was man in einem Jahr alles für Erfahrungen machen, was man lernen, erleiden, erleben, wie schnell einem ein Mensch vertraut und dann wieder fremd werden kann, was man mitnehmen und wie sehr man selbst auch wachsen kann. Die Sonne ist zurückgekehrt. In mein Herz, in mich und an den Himmel und das macht mich unglaublich glücklich.

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