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gute Luft

Ich fühle mich gelöst.
Als würde das Rauschen der Wellen meine Gedanken wegspülen und die Weite meine Emotionen davontragen. Der Horizont ist nur eine klare scharfe Linie, weit draußen, trennt den Himmel vom Wasser und doch scheint es mir, als würde nicht viel fehlen, damit das eine in das andere übergeht.
Fließend – ohne Grenze, ohne Trennung, nur ein Gemisch aus dem kräuselnden Schwarzblau des Meeres und dem Azurblau des Himmels. Ich betrachte die orange-lila glühenden Schlieren am Himmel, fast fluoreszierend wirken sie, Wolkenfetzen und Sonnenstreifen. Weiße bauschige Schaumkronen schmücken die sanft heranrollenden Wellen, Möwen ziehen ihre Bahnen in dem goldenen Licht des Sonnenuntergangs. Ich spüre den Sand zwischen meinen Zehen, den Wind in Gesicht und Haaren und die Wärme der Sonne auf der Haut. Alles in mir ist gerade hier und nirgendwo sonst. Mir steigen Tränen in die Augen, ganz heimlich, ganz unauffällig, so als hätten sie schon darauf gewartet, mich damit zu überraschen.
Etwas löst sich in mir.
Wie einfach ist es, hier am Meer zu sitzen, nichts zu tun, nur zu sein und in die Weite zu starren – Und wie gewaltig ist die Wirkung genau dieses Nichts Tuns auf mich. Nur aufsaugen und hier sein, kein müssen, kein können und dürfen, kein sollen und haben, nur sein.
Wie schlicht und wunderschön.
Ich bemerke das leichte Lächeln, das meine Mundwinkel nach oben zieht, spüre, wie mir die Melodie des Meeres das letzte Verkniffene aus dem Gesicht stiehlt. Alles erschlafft, äußerlich und innerlich.
„Die Luft hier tut gut.“, sagt er, den Gitarrengurt um den Hals und ein breites Grinsen im Gesicht. Nicht nur die Luft, denke ich und grinse zurück.  

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