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Heimat

Zurückkehren in das Haus meiner Kindheit fühlt sich wie Entschleunigung an. Witzig, wie sich das ändert, wo doch früher jede Faser meines Körpers raus wollte aus genau diesem Haus, raus aus der Comfort Zone und mitten rein ins pure Leben. Nun sehne ich mich öfter mal nach genau dieser Sicherheit und nach dem Nach-Hause-Kommen, ins Vertraute zurückkehren und in die wohlwollenden Arme meiner Eltern. In Momenten wie diesem brauche ich sie noch sehr und das ist gerade deshalb so schön, weil es sich gut anfühlt, trotz aller Unabhängigkeit, auf ihre Hilfe zählen zu können.
Bei ihnen liegen meine Wurzeln, dort komme ich her, dort finde ich Ruhe, wenn es in mir zu laut ist. Umgeben von Menschen, die mich bedingungslos lieben, die mich kennen auf eine Art, auf die mich kein anderer kennt, weil sie mich schon als Baby im Arm gehalten haben. Es ist nicht einmal die direkte Interaktion mit ihnen, die sich bei dem Gedanken daran, nach Hause zu fahren so entschleunigend anfühlt, es ist ihre bloße Präsenz an dem Ort, dessen Ecken und Winkel ich so gut wie nur Weniges sonst kenne, die mir genau diese innerliche Ruhe schenkt. Zu wissen, dass sie da sind und die gemeinsamen Handlungen -gemeinsam Abendbrot essen, zusammen fernsehen, auf der Terrasse sitzen, im Garten arbeiten- die Routinen, die Eigenheiten dieser beiden Menschen, die mich liebevoll großgezogen haben, lösen ein ruhiges, sicheres und entspanntes Gefühl in mir aus.

Sie wohnen gar nicht so weit weg von mir und trotzdem fühlt es sich wie eine andere Welt an, sobald ich aus der S-Bahn steige, eintauche in Vergangenes und Vertrautes. Es ist ruhig. Der Himmel ist blau und weit, die Sonne brennt auf meiner Haut. Es gibt hier weniger Menschen auf genauso viel Raum, weniger Häuser, weniger von allem. Felder und leere Seitenstraßen, in denen die Kinder spielen, Menschen, die mich mustern, während ich von der S-Bahnstation loslaufe, Jugendliche, die auf dem leeren Parkplatz in der Sonne rumhängen.
Manchmal brauchen wir dieses Zurückkehren an einen Ort, mit dem so vieles von uns verbunden ist und an dem so viele Erinnerungen zuhause sind.
Wenn ich auf der Couch liege und lese, während meine Eltern in der Küche kochen, oder neben mir liegen, fällt alles für einen Augenblick von mir ab. Wenn sie mich in den Arm schließen, ich ihre Freude über meinen Besuch spüre und den Geruch des Hauses einatme, dann fühlt sich all das, was vorher stressig war, plötzlich ganz weit weg an. So als wenn alles gut werden würde, als würde alles schon seinen Weg nehmen und als wäre das alles gar nicht weiter schlimm. Es verschiebt den Fokus wieder auf die wirklich wichtigen Dinge.
Ich genieße die Freude meiner Mutter, als ich die Haustür aufschließe und sie langsam die Treppe nach unten kommt. Überraschung breitet sich als Erstes auf ihrem Gesicht aus, danach schließt sie mich freudig in die Arme.
Ich verberge, dass mir die Tränen in die Augen steigen, weiß nicht so richtig warum. Es ist schon wieder viel zu lange her, dass ich hier war.

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