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Tränen des Himmels

13.06.2020

Sommergewitter. Diese Tage wie dieser fühlen sich an wie Sommer. Fühlen sich so unfassbar gut an. So ruhig und frei und sommerlich. So warm und kalt zugleich. An diesen Tagen wie an diesem spüre ich ein Lächeln in mir, ein Dauerlächeln. Diese Tage sind so perfekt, so einzigartig auf ihre eigene Art.
Die Oberfläche des Wassers ist ganz glatt und ruhig, wie ein Spiegel so klar. Wir sehen uns nicht darin, nur die Tiefe des Sees und trotzdem scheint es, als würde man sich selbst erkennen, wenn man sich über den Rand des Bootes beugt, um auf das Wasser zu starren. Es ist ruhig. Grün um uns, Blau über uns. Weiße Wolken, die den Himmel sprenkeln, lange dürre Halme stechen ein paar Meter neben dem Boot aus dem Wasser, greifen nach oben, strecken und recken sich, als würde für sie der Tag erst beginnen. Ich weiß nicht genau wie spät es ist, weiß nicht, welche Zahlen diesen Moment einfangen, festhalten, datieren und es ist mir egal. Zeit spielt keine Rolle, zumindest jetzt nicht. Das Leben besteht nicht aus Plänen oder Zielen, nicht aus Vergangenheit oder Zukunft habe ich letztens in einem guten Buch gelesen. Es besteht aus Momenten. Aus dem Jetzt. Und genau hier, genau jetzt, spüre ich ganz genau, was damit gemeint ist.

Die Sonne brennt auf der Haut, auf unseren Köpfen. Ich lächle, du auch. Wir schweigen und wieder einmal genieße ich es, dass ich bei dir keine Stille zu füllen brauche. Einfach ruhig sein, einfach beieinander sein, einfach hier. Und es reicht. Das Wasser ist so unglaublich erfrischend auf der Haut, wenn man reinspringt. Es ist ein Untertauchen, ein Weg- sein. Ein Schweben. Schwerelos. Wir spüren unser eigenes Gewicht nicht mehr, spüren das Gewicht der Welt nicht mehr, das uns niederdrückt, nur diese Stunden genau hier auf diesem See. Kopf frei. Ich lasse mich treiben, liege auf der glatten Oberfläche und schließe die Augen, genieße die Ruhe um mich herum, lausche meinem eigenen Herzschlag und meinem Atem, der unter Wasser so laut erscheint.
Da sei ein Lächeln in mir, mehr als früher. Ein inneres Lächeln. Als ich die E-Mail gelesen habe, musste ich ebenfalls lächeln. Unfassbar schöne Worte von einem Mädchen, das das Lächeln selbst ist. Danke dir. Ich spüre was du meinst, fühle, dass es stimmt. Wir tragen alle dieses Lächeln in uns, im Herzen und in Momenten wie diesen, in Momenten, die das Leben sind, kommt es am meisten hervor. Dann strahlt es aus uns heraus, lässt unsere Augen leuchten wie die kleiner Kinder, die die Welt durch ihre unstillbare Neugier und Lebenslust erkunden. Ich hoffe, wir alle werden dieses Lächeln niemals verlieren.

Wind zieht auf und Wolken schieben sich vor die Sonne. Bauschige weiße und gräuliche Wolken. In der Ferne grummelt es unzufrieden vor sich hin, so als hätte der Himmel Bauchschmerzen. Da ist dieser Druck in der Luft, diese Schwüle, die sich anfühlt als würde sie auf einen niederdrücken. Es fühlt sich an, als wäre die Luft dichter, schwerer, angestaut mit Spannung und Hitze, die sich zu entladen droht. Die Stille vor dem Sturm. Als wir aus dem Boot klettern, ist der See bereits zugezogen, der Himmel leicht gräulich und die bauschigen Wolken sind verschwunden. Wir entdecken eine Kolonne aus Ruderbooten, die am Ende des Sees den Rücktritt antritt. Alle spüren es. Es zieht etwas auf.

Jedes Mal vor so einem Sommergewitter spüre ich es. Es hat etwas Magisches an sich, diese Spannung, diese Wärme, die um einen wabert und dieses Warten, bis der Himmel endlich aufreißt und sich entlädt. Jedes Mal denke ich dabei an dich. Genau dieser Moment vor einem Sommergewitter, genau dieses Gefühl lässt mich an dich denken. Dieses Knistern in der Luft, diese Hitze. Es hat irgendwie auch etwas Düsteres an sich, wenn sich der Himmel zuzieht und die Sonne verbirgt, aber trotzdem ist es absolut nichts Negatives für mich, sondern etwas Faszinierendes, Magisches. Ein Gefühl in der Luft und in mir, dass ich absolut nicht greifen kann. Jedes Mal denke ich dabei an dich. An die Decken auf dem Boden und die offenen Balkontüren. An nasse Haare und Lachen im Regen, an schnelle Schritte, die zum Bus laufen. Warmer Asphalt und nackte Füße. Gewitter, das bist du. Und eigentlich denkt man, dass es schade ist, dass es regnet, dass die Sonne weg ist. Aber ich liebe es, wenn es regnet. Wenn die Erde wieder mit Wasser getränkt wird und die Luft nach Natur duftet. Wenn der Staub und die Pollen niedergedrückt und die Luft abgekühlt werden. Wenn sich alles in diesem Moment entlädt und die Natur uns ihre Macht demonstriert. Kühle Tropfen auf der aufgehitzten Haut, gewaltiges Donnern, das den Himmel erschüttert. Blitze, die stroboskop-ähnlich aufleuchten. Magie. Ich verstehe, wieso die Menschen früher dachten es gäbe Götter im Himmel, verstehe, wieso sie sich Zeus erschaffen haben, um sich diese Naturgewalt zu erklären. Diese Schönheit und Macht zugleich. Etwas, das Angst machen und faszinieren kann. Sommergewitter. Knistern in der Luft und Spannung um mich, Hitze und Kühle und ein Lächeln in mir. Wir schlecken unser Softeis, während wir von oben nass werden. Ich schau hoch, spüre sanfte Tropfen auf meinem warmen Gesicht. Wie Tränen fließen sie über meine Haut. Wasser ist Leben, schießt es durch meinen Kopf. Wieso sagt man, dass der Himmel weint, wenn es regnet? Dass er traurig ist? Wenn wir ihn so vermenschlichen, heißt das dann nicht im Umkehrschluss, dass Tränen Leben sind? Denn Wasser ist das heiligste Gut, das wir haben, jenes Element, wodurch alles begann. Alles Leben. Alles Fühlen. Alles Sein. Weint er dann nicht, um uns Leben zu schenken? Weint er dann nicht vor Glück und Güte?
Sommergewitter.

2 Kommentare

  1. Kai Kai

    Hallo Charly,

    das Ende deines Textes ist wirklich sehr schön geworden. Da haben die Worte wirklich einen poetischen Fluss gebildet. Allein das Wort „Umkehrschluss“ hat mich etwas rausgerissen.

    Mir gefällt die Stimmung, die du versuchst zu transportieren, aber es kommt bei mir trotzdem nicht greifbar an. Das ist sicherlich auch bei vielen anders.

    Der Satz: „Ein Gefühl in der Luft und in mir, dass ich absolut nicht greifen kann.“ ist bezeichnend für den gesamten Text, eigentlich sogar für die letzten 3 Artikel auf deiner Seite, die alle schematisch sehr ähnlich sind. Es bleibt unartikuliert. Oft sprichst du davon, dass du auf eine bestimmte Weise fühlst und sagst im Anschluss, „das ist richtig“ oder „das ist ok“. Es kommt zu keiner Interpretation, sondern verharrt in der oberflächlichen Beschreibung. Ich will nicht, dass es so rüberkommt, als ob diese Berschreibung schlecht ist, ich finde sie sogar gut und doch lässt es mich emotional kalt. Am Ende machst du es anders, du reflektierst über deine Gefühle, du versuchst sie zu deuten und nicht nur zu sehen. Ich würde mir mehr davon wünschen.

    Ich hoffe, dass diese Kritik nicht zu angreifend ist, ich mag deine Art zu schreiben wirklich sehr und das ist auch der Grund, warum ich diesen Kommentar schreibe.

    LG Kai

    • Charly Charly

      Hi Kai,

      danke für deinen Kommentar!
      Ich glaube zu verstehen was du meinst und ja meine letzten Blogbeiträge waren alle wirklich recht ähnlich. Eigentlich fast schon so tagebuchähnlich, leider weiß ich auch nicht woran das liegt, ich habe glaube gerade einfach keine besonders inspirierte Phase oder die Muse hat mich verlassen, wie man so schön sagt ^^
      Tatsächlich glaube ich, dass ich einfach nicht genug emotional war, um genau das auszudrücken in dem Moment, was ich wollte. Ich habe noch einige andere Texte, die ich persönlich vom Schreibstil her noch besser finde, aber diese sind mir teilweise schon etwas zu persönlich, um sie zu veröffentlichen, weil -nun ja- das Beste immer aus dem Emotionalsten heraus entsteht. Also meiner Erfahrung nach. Aus dem größten Schmerz oder der größten Freude. Bzw. die Schattierungen davon.
      Dass ich meine Gefühle immer nur darstelle und dann nichts daraus mache -sozusagen-, ist mir tatsächlich noch gar nicht so bewusst aufgefallen. Ich mag es immer wieder total, dass andere Menschen einen ganz anderen Blick darauf haben. Für mich erzählt der Text halt einfach von einem besonderen Moment, den ich festhalten wollte. Und auch, wie ich mich dabei gefühlt habe. Was genau das bedeutet, darüber habe ich mir tatsächlich noch keine Gedanken gemacht.
      Danke für deine Worte und deine Gedankengänge!

      LG
      Charly

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